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MOOR MOOR MOORE

Participating artists: Nuray Demir, Mona Harry / Badrieh Wanli, Leonid Kharlamov, Jihie Kim, Wonek Lee, Alice Peragine, Pia Scheiner, Zuza Spyczak von Brzezinska

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Ausstellungsbeschreibung von Julia Mummenhoff (HfbK Hamburg):

Mit einer nächtlichen Installation im Rahmen des Symposiums „Psycho Materialism“ gastierte die Klasse Michaela Melián im Oktober in den Martin Kausche Ateliers in Worpswede. Als sich am 17. Oktober 2014 die Dunkelheit über das Worpsweder Teufelsmoor senkte, erwachte in den dortigen Martin Kausche Ateliers das Leben. Für die insgesamt acht Studios hatten die Studierenden von HFBK-Professorin Michaela Melián Installationen, Videoarbeiten und Live-Performances konzipiert, die nur durch den Blick von außen in die erleuchteten Räume zu sehen waren. So wirkte die Reihe der zum Moor hin ausgerichteten Atelierfenster wie ein Stück Filmstreifen, an dem das Publikum entlanggehen konnte. Dass sie ausschließlich hinter Glas zu sehen waren, gab einzelnen Positionen etwas Entrücktes und Surreales. Sie alle waren als Allegorien exemplarischer künstlerischer Selbstdarstellungen im Atelier entwickelt worden.
Vorausgegangen war ein Arbeitsaufenthalt der Klasse in den Martin Kausche Ateliers im Sommer 2014. In die Auseinandersetzung mit der Ateliersituation floss auch die Beschäftigung mit dem Ort Worpswede als ehemaliger Künstlerkolonie ein. Dadurch, dass sich die teilnehmenden Studierenden in unterschiedlichen Phasen ihres Studiums befinden – einige stehen erst am Anfang ihres Studiums, andere in der Mitte, und wieder andere haben gerade ihr Master-Studium begonnen –, spiegelten sich in den Arbeiten ganz unterschiedliche Erfahrungshorizonte. Zu dem Symposium „Psycho Materialism“ gab es keinen unmittelbaren inhaltlichen Bezug, das Projekt passte aber dennoch ausgezeichnet in diesen Kontext und brachte ihm zudem die Aufmerksamkeit eines internationalen Fachpublikums ein. Das Ephemere dieses einen Ausstellungsabends wird ein wenig aufgefangen durch den Beitrag von Mate Ugrin. Dieser war an jenem Abend noch nicht zu sehen, da es ein Film ist, der die Arbeiten während der Aufbauphase und der Ausstellung dokumentiert. Der entstandene Videofilm ist noch bis 25. Januar 2015 in der Ausstellung INPUT/OUTPUT WORPSWEDE zu sehen.
Die folgende Bildstrecke zeigt die Arbeiten der Studierenden in der Reihenfolge, in der sie von den meisten Besucher/innen gesehen wurden, nämlich entgegen der Leserichtung bis zum äußersten Ende der Atelierzeile.

(Fotos von Mate Ugrin)

Students of the class of Michaela Melián, HFBK Hamburg will stage the studios of the Künstlerhäuser Worpswede in the Devil’s Moor as spaces for performance, film and installation. Surrounded by fog the visitors can’t enter the studios but only experience the works through the studio windows. All works produced for the project follow allegories of artistic self-expression in the studio.

Participating artists: Nuray Demir, Mona Harry / Badrieh Wanli, Leonid Kharlamov, Jihie Kim, Wonek Lee, Alice Peragine, Pia Scheiner, Zuza Spyczak von Brzezinska
a film by Mate Ugrin
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Jihie Kim, Verträumt, Videoinstallation, 2014: Der in Worpswede gedrehte Videofilm (5:48 Min.) wird von innen auf den Vorhang eines Schlafzimmers im Loop projiziert. Wie in einem Alptraum wiederholen sich hier künstlerische Tätigkeiten immer wieder aufs Neue. Es bleibt den Betrachtern überlassen, die dargestellten Episoden einem Traum oder der Realität zuzuordnen.

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Wonek Lee, Ein worpswedischer Hund, 2014, Closed Circuit Rauminstallation, Holz, Einwegspiegel, Spiegel, 2 IR-LEDs, Derock IR-Kameramodul, Projektor: Der Zuschauer als Täter – durch ein Loch im Vorhang werden die Betrachter animiert, ins Innere des Zimmers zu schauen. Hier sehen sie aber nur die eigenen Augen, die durch die Kamera und den Projektor verfremdet in Echtzeit zurückschauen.
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Pia Scheiner, Arbeiten am Genie, Performance, 2014: „Ich ordne. Es zerfällt. Ich ordne wieder und zerfalle selbst.“ (nach Rainer Maria Rilke, Die achte Elegie aus der Sammlung Duineser Elegien, 1922). Pia Scheiner sitzt am Schreibtisch im Worpsweder Atelier und notiert Ideen, Gedanken, Aphorismen, Sinnsprüche, Merksätze, Absichtserklärungen und Zitate von Künstlern zum kreativen Prozess auf verschiedene Schmier- und Notizzettel. Die beschriebenen Papierfetzen klebt sie anschließend von innen an die Glasscheibe ihres Atelierraums, nach und nach verschwindet der Atelierraum und damit auch Pia Scheiner für die Betrachter, es bleibt nur die von innen erleuchtete Zettelwand.
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Mona Harry und Badrieh Wanli, Posen, 2014, 2-Kanal-Videoprojektion: Mona Harry und Badrieh Wanli nahmen für ihr Projekt Posen die von Marianne Wex angelegte Studie Weibliche und männliche Körpersprache als Folge patriarchalischer Machtverhältnisse (1972-77) zum Ausgangspunkt. In ihrer wie ein Jugendzimmer wirkenden Rauminstallation werden zwei Fotofilme an die Wände projiziert, die die Anmutung von über dem Bett hängenden Postern haben. Der eine zeigt Werbeabbildungen von Männern und Frauen in Kinder- und Jugendmagazinen, aus denen Harry und Wanli eine Kartei der Posen angelegt haben. Der andere zeigt die beiden, wie sie vor den Fotos Posen nachstellen. Grundlage der Arbeit ist eine Performance, bei der sich Harry und Wanli abwechselnd gegenseitig die auf dem Foto dargestellte Pose beschreiben und die jeweils andere die Pose ausschließlich nach der Beschreibung nachzuvollziehen sucht, ohne sie zu sehen.
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Alice Peragine, Accelerating Runways, 2014, Performative Installation: Accelerating Runways funktioniert wie ein mechanisches System, in dem alle Elemente sich gegenseitig bedingen: Ein verstärkter Diaprojektor gibt mit seinem mechanischen Klick-Geräusch den Bewegungsrhythmus der drei Figuren vor. Bei jedem Klick wechselt das Diakarussell zum nächsten Bild, eine weitere Farbe in einer Lidschatten-Palette mit zugehöriger Bezeichnung erscheint. Die Performer tragen nude-farbene, gender-neutrale Overalls, die an Funktions- oder Arbeitskleidung erinnern. Performer: Alice Peragine, Zuza Spyczak von Brzezinska, Niclas Riepshoff. Kostüm: in Kooperation mit Nina Divitschek.
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Zuza Spyczak von Brzezinska, Sample, 2014, Video: Zuza Spyczak von Brzezinska projiziert einen Videofilm von innen auf das präparierte, semitransparent gestrichene Atelierfenster. Der Film zeigt eine Gruppe von Hobbykünstlern im Atelier, die an einem Aktzeichenkurs teilnehmen. Das Modell ist nicht sichtbar, vielmehr ist der Standort der Kamera offensichtlich identisch mit dem Standpunkt des Modells. Das Aktmodell hat die Sitzung und die examinierenden Blicke der Künstler mit einer Actionkamera auf dem Kopf aufgezeichnet. Die Künstlerin, die selbst zeitweilig als Aktmodell ihren Lebensunterhalt bestritt, wirft den beobachtenden Blick zurück.
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Nuray Demir, Träumerei, 2014 (nach Heinrich Vogeler): Mit ihrer Rauminstallation will Nuray Demir das Gemälde Träumerei, das 1906 von Heinrich Vogeler in Worpswede gemalt wurde, in die Gegenwart übersetzen. In einem Tableau vivant sitzt eine junge Frau (Demir selbst) mit dem Rücken zum Betrachter an einem geöffneten Fenster und blickt in eine südeuropäische Landschaft. An der Wand hängt ein industriell gefertigter Orientteppich, der einen Pfau zeigt. Das Bett im Raum ist zerwühlt, auf dem Nachttisch stapeln sich Bücher und auf dem Boden steht ein Teller mit Obstresten. Demir sieht in ihrer Installation das Konzept der Transmigration verhandelt, indem Wünsche und Träume von Subjekten aus den Peripherien der postmodernen Megastädte thematisiert werden.
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Leonid Kharlamov, 7 Frauen, 2014, Performance: In der Performance werden die Verhältnisse zwischen Subjekt und Bildendem Künstler, Gender und Kunstgeschichte, Pathos und Routine in einer direkten Form umgesetzt. Leonid Kharlamov stellt sich als Aktmodell weiblichen Künstlerinnen zur Verfügung und wird zu einem Objekt der Vergötzung. Andere Männer werden ausgeschlossen.
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Opening

Mit freundlicher Unterstützung der

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